Tagebuch eines Igels

Es raschelte unter dem Lebensbaum, Conny wurde neugierig und schaute nach. Es war bereits dunkel am späten Nachmittag des 13.11.03. Zwei dunkle schwarze Knopfaugen schauten Conny traurig an.
Da war es geschehen. "Schnell, kommt mal raus, da sitzt ein Igel"

Udo musste mit dicken Lederhandschuhen das arme Tier unter dem Busch hervor holen, natürlich hat Timo begeistert geholfen. Auf der Waage zeigte sich schnell: 350 g - deutliches Untergewicht, so nahmen wir an. Schnell im Internet nachgeschaut und tatsächlich: Soll der Igel den Winter im Schlaf gut überstehen, muss er 800 - 1000 g wiegen.

Um zu wissen wie es weiterging möchte man sich an den tiefen traurigen Blick am Anfang erinnern. Wir nahmen den Igel bei uns auf.
Wird der Igel den Winter überstehen?
Alles weitere werde ich in Form eines Tagebuchs erzählen und schrittweise fortsetzen:


 


 

  
 


 

Donnerstag, 13.11.03

Zunächst haben wir einen Pappkarton mit Holzwolle ausgelegt und in den Keller gestellt. So hatte der Igel erstmal ein trockenes warmes Plätzchen. Zunächst gab es nur Wasser zu trinken und ein kleines Stück Mortadella.


 

Freitag, 14.11.03

Der Igel braucht einen Namen. Timo´s spontaner Einfall: "Niklas Sommerhage", dann hat er auch einen Nachnamen. Heute gab es ein gekochtes Ei und einen halben Apfel. Es hat ihm gut geschmeckt. Der Igel hat sich ein Nest unter der Holzwolle gebaut. Ab und zu kippt das Wasserschälchen um und wahrscheinlich macht noch eine andere Flüssigkeit den Kartonboden nass und weich.


 

Samstag, 15.11.03

Das mit dem Namen hat sich Timo noch einmal überlegt. Der Igel soll jetzt "Tommy" heißen. Ein paar Dosen Katzenfutter in unterschiedlicher Geschmacksrichtung werden gekauft. Tommy macht sich schmatzend darüber her. Conny hat den Eindruck, dass er schon etwas zutraulicher wird. Er rollt sich nicht mehr sofort ein, wenn man den Karton öffnet.
Auf Dauer wird der Karton nicht die geeignete Behausung sein. Man sinnt nach Alternativen. Schließlich wird ein Katzenklo geliehen, mit Katzenstreu versehen und jede Menge Holzwolle kommt hinein. Der Auslauf ist nun ein bischen mehr und der Boden ist trocken. Am Abend wird Tommy umgesiedelt. Und eine neue Portion Katzenfutter mit Huhn wird serviert.
 



 

 Sonntag, 16.11.03

Morgens war der Schrecken groß. Der Käfig war leer, kein Igel da! Den Ausgang des Katzenklos hatte Udo mit einem Grillrost versperrt. Oben war noch ein kleines Loch geblieben. Irgendwie hatte es Tommy geschafft, über das Gitter durch das kleine Loch zu schlüpfen. Aber wo war er nun? Mit vereinten Kräften wurde der ganze Keller abgesucht.
Udo fiel schließlich auf, dass der Abluftschlauch des Trockners unten abgegangen war. Bei genauem Hinsehen steckte im Schlauch ein kleines stacheliges Etwas. Tommy hatte versucht, durch den Schlauch nach oben zu kriechen. Durch samftes Schütteln kam Tommy wieder zum Vorschein.
Zurück im Karton machte er sich erstmal schmatzend über das Katzenfutter her, dass wir dabei seinen Stall säuberten störte ihn überhaupt nicht, ab und zu lukte er über den Kartonrand zu uns rüber.
Ein aufgeschnittener Karton mit Laub gefüllt sollte nun Tommy´s Schlafnest sein. Neugierig schnüffelte er im neu eingerichteten Katzenklo herum und wühlte sich schließlich unter den Blätterhaufen.

 

 
 

 Montag, 17.11.03

 Im Blätterhaus fühlt sich Tommy sichtlich wohl. Heute gibt es Katzenfutter mit Wild. Am Tag frißt er fast 200 g Futter, na dann Mahlzeit.

 
 

Mittwoch, 19.11.03

Heute waren Conny und Timo mit Tommy in der Tierarztpraxis Dr. Winter. Unser Igel wiegt exakt 500 g, hat also 150 g zugenommen. Obwohl Tommy nur wenig Läuse hatte, hat ihm das Entlausungsmittel gut getan. Das rasselnde Atemgeräusch deutete auf einen Infekt der Atemwege hin. Eine Woche lang muss Tommy nun ein Antibiotikum einnehmen. Dann wurde noch eine Spritze gegen Würmer gegeben. Wieder zu Hause angekommen war Tommy sichtlich froh sich in sein Häuschen zurückziehen zu können.

 
 

 Freitag, 21.11.03

 Tommy wird immer zahmer, auf der Hand rollt er sich nicht mehr ein, sondern schnüffelt neugierig herum. Heute war es das erste Mal möglich, den Igel umzudrehen und den Bauch zu betrachten.

So eine Überraschung: Tommy ist ein Mädchen!

Nach kurzer Familiendiskussion haben wir uns jedoch entschlossen, den Namen nicht zu ändern.
Der Eingang des Igelkartons wurde langsam zu eng. Tommy musste sich mühsam durchzwängen. Durch ein, zwei Schnitte konnte das Schlupfloch vergrößert werden.
 

 
 

 Sonntag, 23.11.03

Unter den Antibiotika wird der Husten deutlich besser. Tommy hat erneut zugenommen, sie wiegt jetzt fast 600 g. Außer schlafen und essen passiert nicht viel. Ein Igel ist halt kein Schmusetier.

 
 

 Donnerstag, 27.11.03

Langsam wird auch der vergrößerte Karton zu klein. Tommy muss sich ganz schön durch den Eingang quetschen. Kein Wunder, sie wiegt nun schon 700 g. Wir haben überlegt sie doch umzutaufen - in Moppelchen!

 
 

 Freitag, 28.11.03

 Heute war der Igel kurz zu Besuch in unserer Wohnung. Neugierig schnüffelnd hat er die Umgebung erkundet. Schließlich war sie aber doch froh sich wieder im eigenen Nest verkriechen zu können.

 
 

 Sonntag, 30.11.03

 Es ist auch mal schön mit Hannah zu schmusen. Tommy ist aber wohl eher auf der Suche nach einem weichen Schlafplatz.

 
 

Dienstag, 2.12.03

Wachhalten ist das Motto! Seit ein paar Tagen wird Tommy faul, ißt weniger und zieht sich in sein Nest zurück. Der Tierarzt konnte nur noch ein Gewicht von 600 g feststellen. Wenn Tommy jetzt in den Winterschlaf fällt, wird sie es wahrscheinlich nicht überstehen. Also müssen wir uns mit unserem Igel öfter beschäftigen. Gut wäre auch ein Überwintern in der warmen Wohnung, aber so weit wollen wir doch nicht gehen.
Tommy bekam nochmal eine Spritze gegen Würmer.


 

Mittwoch, 3.12.03

Das Schlafen wird langsam zum ernsten Problem. Es ist nicht leicht einen Igel im dunklen und kalten Keller zu animieren. Tommy ißt nur noch sehr wenig. Er scheint sich auf den Winterschlaf vorzubereiten. Also: Gute Vorsätze über Bord, das Leben des Igels ist wichtiger, wir haben uns dann doch entschlossen das Tier mit in die warme Wohnung zu nehmen. - Die Kinder freut´s!

 
 

 Samstag, 6.12.03

 Zunehmendes heftiges Husten, röchelnde Atmung und weiter bestehende Schläfrigkeit und Nahrungsverweigerung machen uns große Sorgen. Am Donnerstag war also nochmal ein Besuch beim Tierarzt Dr. Winter notwendig. Tommy hat einen schweren Atemwegsinfekt, neben einer Spritze wurde ein igelwohlschmeckendes Antibiotikagel verordnet. Mit Hilfe einer kleinen Spritze gibt Conny das Medikamet in die Schnauze, Tommy kann nicht genug davon bekommen und schleckt mit der kleinen Zunge den Rest von der Nase. In den kommenden Tagen wird sie deutlich munterer und beginnt auch wieder mit der Nahrungsaufnahme. Das Atemgeräusch hat sich auch deutlich gebessert. Heute beträgt das aktuelle Gewicht 600 g, sie hat also wenigstens nicht abgenommen.

 
 

Sonntag, 7.12.03

Heute schaut sie schon deutlich freundlicher drein. Gerade ist Tommy auf Udo´s Schulter geklettert und schnüffelt neugierig herum.


 

 2. Advent


 

Hmmm, das Katzenfutter ist wieder lecker!
........und die Familie ist glücklich.


 

 Mittwoch, 10.12.03

Die freiwillige Nahrungsaufnahme läßt weiterhin zu wünschen übrig. Nach Rücksprache mit dem Tierarzt bekommt Tommy nun einmal am Tag zusätzlich Nahrung mit der Spritze direkt in den Mund. Conny hat dazu einen offensichtlich leckeren Brei aus frischem Huhn, Brühe und Haferflocken gekocht.


 

Samstag, 13.12.03

Timo hat den Igel heute mit dem Playmobil Piratenschiff abgeholt. Tommy hat den Ausflug genossen. Es ging vom Eßzimmer durch Küche und Flur in das Kinderzimmer. Dort angekommen stiegt Tommy aus und suchte unter Timo´s Bett ein Versteck. Als er den Platz mit Timo teilen musste machte sie sich weiter auf den Weg, um schließlich im Wohnzimmer ihr Geschäft zu verrichten.
Tagsüber schläft unser Igel nun überwiegend, um sich in der Nacht über das Fressen her zu machen. So soll es sein.


 

 Samstag, 20.12.03

 Die Antibiotika sind nun abgesetzt, mit dem Appetit ist es weiterhin wechselnd. Das Selbstgekochte schmeckt Tommy immer noch am Besten.

Ab und zu genießt sie auch ein paar Streicheleinheiten. Tommy ist so zutraulich, dass wir den Lederhandschuh nicht mehr brauchen.

 
 

Mittwoch, 24.12.03

.........und für Tommy gab es zu Weihnachten eine Freifahrt mit der Drehleiter.


 

 Donnerstag, 1.1.04

 Den Jahreswechsel hat Tommy gut überstanden, wie schon seit einigen Tagen schläft sie viel und mag nur wenig essen. Das aktuelle Gewicht liegt jedoch weiterhin bei 600 g. Am Abend wird unser Igel dann munter und läßt sich auch gerne streicheln. Die Stacheln sind dann ganz nach hinten gelegt, sodass Timo sich sogar traut.

 
 

 Sonntag, 11.1.04

Der Igel ist kein Schmusetier, so ist es oben zu lesen. Um Tommy wach zu halten holen wir sie jedoch abend ins Wohnzimmer. Auf dem Sofa spaziert sie gerne herum, um sich jedoch bald unter einer Decke zu verkriechen.

 
 

 Samstag, 17.1.04

Mit dem Essen ist es nun besser, dafür verliert Tommy jede Menge Hautschuppen. Wenn man sie gestreichelt hat, meint man es hätte geschneit.

 
 

Freitag, 30.1.04

Die letzten Tage hat Tommy uns große Sorgen gemacht. Sie hat nur noch geschlafen, nichts gegessen und nichts getrunken. Die Hautschuppung ist wohl auf eine zunehmende Austrocknung zurück zu führen. Tommy wurde immer leichter und träger. Nach einer subcutanen Injektion von Flüssigkeit und einer "Aufbauspritze" ging es Tommy langsam besser. Conny gibt ihr nun Flüssigkeit mit einer Spritze direkt ins Maul.
Tommy hat sich langsam erholt, wurde etwas lebhafter und (wir sind alle happy) heute Nacht hat Tommy sein Schälchen fast geleert. Es geht also wieder bergauf.


 

Samstag, 7.2.04

Einmal vergessen das Gitter für den Käfig zu spannen und schon war Tommy ausgerückt. Die ganze Wohnung haben wir abgesucht und sie schließlich im Kinderzimmer neben der Feuerwehr gefunden. Ein Wachsmalstift war angeknabbert und Tommys Mund deshalb grünlich verschmiert.
Wir lassen unseren Igel jetzt öfter im Wohnzimmer spazieren. sie ist munter und rege, vor allem nachts. Das Schälchen Katzenfutter ist am morgen blank geleckt.
Tommy hat es wohl überstanden. Sie scheint sich schon auf den Frühling zu freuen, wenn wir sie wieder in die Freiheit entlassen.


 

Freitag, 13.2.04

Länger anhaltendes Husten legte den Verdacht auf eine Lungenwurmerkrankung nahe. Tommy erhält nun eine neuerliche Wurmkur in Form von Spritzen.
Darunter geht es ihr bereits deutlich besser.
Tommy wiegt nun 700 g ;-))).
Ihr Lieblingsplatz ist die Heizung in der Küche, die Sie vom Tisch aus schnell erreichen kann, wenn Conny den Stall sauber macht.
Tommy wird richtig böse, wenn man sie von der Heizung holen möchte.
In das Küchenhandtuch verbeißt sie sich gerne und macht das alte "das ist meins" Spiel.


 

Dienstag, 17.2.04

Das Husten ist etwas besser und Tommy hat deutlich mehr gegessen und zugenommen. Der Tierarzt findet aber den Auswurf bedenklich. Tommy wurde heute zunächst bis Freitag zur Beobachtung stationär aufgenommen.
 

 

Samstag, 28.2.04

Am Dienstag (24.2.) wurde Tommy wieder entlassen. Es geht ihr deutlich besser. Sie hat wohl einige "Aufbauspritzen" und Antibiotikaspritzen gekommen. Das Husten ist deutlich weniger geworden und Tommy hat einen guten Appetit.
Am Mittwoch haben gleich vergessen den Käfig zu schließen. Am Donnerstagmorgen war Tommy verschwunden! Die ganze Wohung wurde abgesucht. Wir haben den Igel schließlich unter Timo´s Bett gefunden, eingerollt in eine Schnuffeldecke.
Der Lieblingsplatz ist immer noch auf der Heizung in der Küche.


 

Mittwoch, 24.3.04


In den letzten Wochen wurde Tommy von einer Milbeninfektion im Bereich der Schnauze geplagt. Durch die entsprechende Salbe sind die Geschwüre jedoch nun vollständig ausgeheilt. Sie hustet auch nicht mehr.
Heute haben wir Tommy mal wieder auf die Waage gesetzt. Da macht es sich bemerkbar, dass der Fressnapf jeden morgen blank geleckt ist.
Tommy wiegt nun 800 g.

 

Sonntag, 11.4.04


900 g wiegt Tommy nun, es geht ihr gut! Nach den Eisheiligen werden wir unseren Igel in den Garten setzen. Natürlich stellen wir das Igelhaus zunächst mit raus und Conny wird sicher nicht anders können als weiterhin Futter rauszustellen - eine Igelmutter eben - ;-))

 

Free Tommy


 


 

Free Tommy

Sonntag, 25.4.04

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute ist es so weit, Tommy wiegt mittlerweile schon 1000 g, der Käfig wird langsam eng und der Igel unruhig.
Es wird also Zeit Abschied zu nehmen. Zunächst haben wir Tommy auf der Wiese laufen lassen. Neugierig hat Sie den Garten erkundet und das weiche, noch taunasse Gras unter ihren Füßen genossen. Den Käfig haben wir mit geöffneten Tür hinter der Gartenhaus gestellt und heute Abend noch einmal genug Katzenfutter reingestellt. Udo hat ein paar Hölzer davor gelegt, damit Tommy, wenn Sie es wünscht auch wieder in den Käfig hinein kriechen kann. Vielleicht bleibt Sie ja noch ein paar Tage bei uns.
Dann wurde es Zeit für einen letzten Abschied:


 


 

 

 

Wir wünschen Tommy alles gute und viele saftige Schnecken!